Gabber - Definition einer Lebenseinstellung
Drogen konsumieren, Musikrichtungen wie beispielsweise HipHop und Trance hassen, bestimmte Kleidung als Muss ansehen (etwa Classics-Schuhe von Nike oder Lonsdale-Kleidung) und nebenbei etwas Hardcore Techno hören, ohne jedoch von Musik und Szene Ahnung zu haben - manche außenstehende Leute und Neulinge denken fälschlicherweise, das solche Sachen einen Gabber (ausgesprochen "chabböhr" - klingt schnell ausgesprochen manchmal wie "chabböh"/"chabba" - mit einem "ch" wie in dem Wort "Buch"), ausmachen. Doch dies ist falsch! Denn Gabber ist eine Lebenseinstellung, die man nicht einfach von jetzt auf gleich verinnerlicht, denn zu einem Gabber "reift" man mit der Zeit. An dieser Stelle beschreibe ich einmal in der du-Form, welche Attitüden meiner Meinung nach (dennoch bin ich mir sicher, das mir viele andere Gabbers bei den meisten Sachen zustimmen werden, Punkt 11 wird aber vermutlich am umstrittensten sein) einen echten Gabber ausmachen.

1.
Als Gabber muss Hardcore Techno (im nachfolgenden Text immer stellvertretend für Hardcore Techno, Terror, Doomcore und sonstige Subgenres) die oder eine deiner Lieblingsmusikrichtungen sein. Du kannst beispielsweise kein Gabber sein, wenn du House generell besser findest als Hardcore Techno, da Hardcore Techno nämlich in diesem Fall entweder einen gleichen oder höheren "Geschmacksstellenwert" als House haben muss. Die Wertschätzung von Hardcore Techno im allgemeinen spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

2.
Interesse an und ein paar wichtige Grundkenntnisse über Hardcore Techno und die Gabberszene sind schon notwendig. Du musst natürlich kein Gabber-Experte sein, solltest du bereits die Antworten auf die Fragen des 1. Teils meines Gabber-Quizs kennen, kennst du dich schon bestens mit den wichtigen "Gabber-Grundkenntnissen" aus. Das es auch einmal Phasen geben kann, in denen das Interesse an Musik und/oder Szene geringer ist, ist völlig normal. Jemand, der jedoch permanent kein Interesse an Musik und Szene aufweist, ist auch kein Gabber.

3.
Du darfst weder linksradikal oder -extremistisch noch rechtsextremistisch, neonazistisch, rassistisch, ausländerfeindlich, nativistisch ("Ausländer raus"-Einstellung, jedoch ohne Rassismus verbunden) oder islamistisch sein (siehe auch "Das Vorurteil: Gabbers = Rassisten"). Solltest du - natürlich nicht extremistische! - linke und/oder rechte Meinungen vertreten (wie wahrscheinlich alle Leute, dessen Gesinnung bspw. in der "politischen Mitte" einzuordnen ist), geht dies selbstverständlich in Ordnung. Viele Leute mögen dich zwar dann als Extremisten verteufeln, aber als Gabber darf dich das nicht stören, schließlich kannst du nichts dafür, das Medien und Normalbürger sehr oft die Begriffe "links" und "rechts" fälschlicherweise als Abkürzung für linksradikal/-extremistisch bzw. rechtsextremistisch benutzen! Fakt ist, das du als Gabber niemals "unpolitisch" bist, da du schließlich politische Meinungen vertreten wirst, zu welchen Themen auch immer.

4.
Folge nicht einfach blind irgendwelchen Trends! Nur weil zum Beispiel viele (programmierte) Normalbürger teure Handys (und dutzende Klingeltöne) besitzen oder viele Gabbers kurze Haare/Glatze oder Kleidung von Lonsdale und Nike tragen, musst du dies deswegen noch lange nicht nachmachen. Wenn du es aus eigener Überzeugung machst, ist es natürlich völlig in Ordnung. Mache auch keine Sachen, die du eigentlich gar nicht machen möchtest, nur um von anderen Leuten akzeptiert zu werden. Als Gabber gehört es dazu, seinen eigenen Weg (natürlich muss wohl jeder hier und da Kompromisse im Leben eingehen, siehe z.B. Punkt 10) anstatt den eines programmierten, kaum selbst denkenden Normalbürgers bzw. Herdenmenschens zu gehen (so wie es sehr viele Menschen tun).

5.
Viele Hardcore Techno-Tracks handeln zwar von Gewalt, Hass, Sex oder Drogen, trotzdem darfst du entsprechende Vocals nicht ernstnehmen und beschriebene Handlungen daraufhin blind nachmachen (etwa Ecstasy konsumieren oder Personen erschießen), da es meist nicht ernstgemeinte, satirische und übertriebene Vocals sind (Ausnahmen bestätigen die Regel), die oft gut zur Musik passen und die man - wie z.B. auch beim Gangsta Rap oder Horrorcore - mit einem Augenzwinkern betrachten muss. Es gehört auch nicht dazu, absichtlich aggressiv zu sein oder aus Spaß Leute anzupöbeln oder gar zu verprügeln, so wie man es von manchen Bahnhofs-"Gabbers" kennt. Drogen zu konsumieren ist natürlich auch kein Muss, toleriere aber Gabbers, die dies tun. Ebenso ist es kein Muss hakken zu können oder jemals auf einer Hardcore Techno-Party gewesen zu sein.

6.
Da die Ideologie des Hardcore Technos der Underground ist (Definition siehe Regel 11), musst du Produzenten, die strikt Underground sind, mehr respektieren als diejenigen (die sich oft auch noch zu unrecht Gabbers nennen und unwissende Leute mit ihrem falschen Underground-Image blenden), deren Sound nur dem Trend angepasst ist und aus Geldgründen produziert wird.

7.
Beurteile Leute anderer Szenen wie z.B. Goths, Punks oder HipHops niemals nach ihrer Szenezugehörigkeit, Musikgeschmack oder dem Äußerem, du möchtest schließlich wohl auch nicht aufgrund von reiner Unwissenheit und Vorurteilen als Neonazi, der nur primitive "Bumm Bumm"-Musik hört, abgestempelt werden. Falls du schlechte Erfahrungen mit Leuten aus anderen Szenen gemacht hast, verallgemeinere dies niemals auf alle Szenenangehörige, denn es gibt in jeder Szene Idioten. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Leute, die keiner Szene angehören sowie eine Reihe anderer Gesellschaftsgruppen. Es wäre z.B. schwachsinnig und widersprüchlich zugleich, wenn du Musik von den Party Animals bzw. Day-Mar gut finden würdest, jedoch Party Animal-Mitglied Jeroen Flamman als Schwulen bzw. Day-Mar als Frau als etwas minderwertiges ansehen würdest. Akzeptieren musst du natürlich auch Bi- und Transsexuelle, Androgyne, Leute mit sexuellen Vorlieben, die nicht dem gesellschaftlichen "Standard" entsprechen (Masochisten z.B., siehe auch Sexuelle Neigungen), behinderte sowie gläubige Menschen und Menschen aus anderen Kulturen, sofern sie keine menschenverachtenden Meinungen vertreten (keine Gleichberechtigung von Homosexuellen, Antisemitismus, Unterwerfung der Frau gegenüber dem Mann oder Minderwertigkeit von Ungläubigen z.B.). Beurteile Leute generell nach ihrem Charakter mitsamt ihrer Einstellung und nicht blind aufgrund von Vorurteilen. Respekt musst du natürlich auch vor allen Musikrichtungen haben. Primitive Aussagen wie z.B. "Industrial Hardcore, Trance und Volksmusik sind scheiße" kannst du dir als Gabber nicht erlauben, da du schließlich nicht alle veröffentlichten Tracks bestimmter Musikrichtungen kennen kannst, um dir eine solch verallgemeinernde Aussage erlauben zu können! Außerdem gibt es möglicherweise von jeder Musikrichtung (völlig egal ob "Underground" oder "Mainstream") Tracks, die dir gefallen würden oder die zumindest akzeptabel klingen. Als Gabber darfst du einfach nicht wie im Stile vieler programmierter Normalbürger, bei Sachen mitreden, von denen du gar keine Ahnung hast.

8.
Als Gabber spielt es keine Rolle, ob du Atheist oder Agnostiker bist, nur an Gott (oder eine höhere Macht) glaubst oder einer Religion angehörst. Solltest du jedoch z.B. ein Katholik oder Moslem sein, der menschenverachtende und gabberunwürdige Meinungen vertritt (siehe Punkt 7), bist du natürlich alles andere als ein Gabber. Toleranz, Respekt und ein gesunder Menschenverstand sind äußerst relevant und dürfen nicht aus religiösen oder kulturellen Gründen (oder welchen auch immer) verdrängt oder vernachlässigt werden!

9.
Es gibt natürlich kein Outfit, das zum "Gabber sein" dazugehört, dennoch gibt es gewisse Regeln. Das "White Power" oder sonstige rassistische und auch linksradikale/-extremistische Kleidung (Anarchiezeichen z.B.) nicht erlaubt ist, versteht sich von selbst. Aber auch Kleidungsmarken wie Doberman oder Consdaple haben mit "normaler" oder Sportkleidung nichts zu tun, da sie ganz bestimmte Zielgruppen ansprechen. Zur Erklärung: Die Marke Doberman ist möglicherweise für Dobermannfans gedacht, aber v.a. für Neonazis, denn manche Kleidungsstücke sprechen eine eindeutige Sprache und ob der Gründer seiner neonazistischen Gesinnung abgeschworen hat, darf bezweifelt werden. Tabu als Gabber ist auch die Kleidung der Marke Consdaple, die aus Neonazikreisen stammt. Als echter Gabber musst du Marken solcher Art meiden, denn es kann schließlich nicht angehen, das du durch das kaufen der oben genannten Kleidungsmarken, Leute finanzierst, die Kleidung für Rassisten produzieren (und wahrscheinlich selbst welche sind), die neben der Skinheadszene auch massiv die Gabberszene verseucht haben! Aussagen wie "es sieht aber total geil aus, das ist die Hauptsache. Ich kaufe es trotzdem." sind niemals gerechtfertigt, denn es geht ausschließlich um's Prinzip und gesunden Menschenverstand!

10.
Falls du dich beispielsweise in Lonsdale-Kleidung und Bomberjacke kleiden oder einen Kurzhaarschnitt oder Glatze tragen möchtest, aber Angst hast, aufgrund des Outfits beleidigt oder für den rassistischen Schläger aus der Zeitung gehalten zu werden: Stehe über der Meinung der Masse, die größtenteils keine Ahnung von unserer Szene hat, trage deine gewünschte Kleidung/Frisur und schäm dich nicht als Gabber erkannt zu werden! Du kannst schließlich nichts dafür, das unsere Gesellschaft aufgrund von falscher Erziehung, Medien etc. total programmiert ist und es viele Leute nicht für nötig halten, sich über gewisse Sachen zu informieren, bevor sie ihren Mund aufmachen. Wenn du allerdings aus beruflichen Gründen oder aus Angst vor Gewalt auf dein Outfit verzichten musst bzw. möchtest, geht dies natürlich in Ordnung. Berufliche Zukunft sowie die eigene Sicherheit gehen selbstverständlich vor. Als Gabber darfst du außerdem das "Gabber sein" nicht wie ein Feigling verleugnen. Nur wenn die Möglichkeit bestehen würde, das du aufgrund von Vorurteilen Opfer von Gewalt werden könntest, ist es natürlich in Ordnung, dies zu tun. Dies ist aber auch die einzige Ausnahme, denn Stolz und Ehre (man könnte auch von sog. "Realness", also Echtheit, sprechen) musst du als Gabber schon haben!

11.
Solltest du Musik produzieren, dann gehört es dazu, "Underground" zu sein. Das heißt: Arbeite nicht für oder mit "Mainstream"-Produzenten zusammen und veröffentliche deine Tracks bei kleineren Indielabels (wenn diese wirklich Underground sind) und nicht bei den größeren Szenelabels wie z.B. Traxtorm Records, Masters Of Hardcore, Rotterdam Records oder gar Majorlabels (Sony/BMG, EMI, Warner Bros. etc.) oder daran angebundenen Labels. Solche Labels haben nämlich mit echter Undergroundmusik nichts zu tun und würden dir wahrscheinlich vorschreiben (v.a. bei den Majors), was du wie zu produzieren hast, da sie meist nur an den großen Erfolg und das damit verbundene Geld denken (man beachte die Diskographien dieser Labels, das aufspringen auf zum Trend gewordene Musikrichtungen usw.). Auch gehört es dazu, deine Tracks nicht für Mainstream-Compilations ("Extremfälle" sind z.B. Bravo Super Hits oder Future Trance) lizenzieren zu lassen. Die Ausrede "Ich muss aber doch mein Geld verdienen" gilt im Underground ohnehin nicht, weil sich mit echter Undergroundmusik normalerweise nicht viel Geld verdienen lässt. Als Produzent muss dir die Liebe zur Musik und evtl. noch eine Botschaft rüberzubringen und/oder andere damit glücklich zu machen, das wichtigste sein und nicht das große Geld zu verdienen oder z.B. im Extremfall tagsüber auf Viva, MTV & Co. zu sehen zu sein oder bei The Dome vor einer Menge von teddybärwerfenden Teenies aufzutreten. Wenn du Deejay sein solltest, ist es aber kein Muss ausschließlich auf Partys aufzulegen, auf denen alle oder die meisten anderen DJs "Underground" sind (das sind sowieso die wenigsten, vieles ist ohnehin nur Show, man schaue insbesondere nach Rotterdam). Sicherlich, Leute wie z.B. Promo, Neophyte oder Korsakoff sind möglicherweise auch nicht viel weniger kommerziell orientiert als Scooter & Co., aber trotzdem gehören sie zur Gabberszene und als DJ hast du ohnehin kaum eine andere Wahl, als auf Partys, auf denen auch "nicht undergroundige" Leute spielen, aufzulegen. Das du aber nicht auf Partys spielen darfst, auf denen ausschließlich "kommerzielle Leute" wie z.B. Mark' Oh, Tiësto oder Rocco spielen (die mit der Gabberszene nichts zu tun haben), versteht sich von selbst.

12.
Es ist selbstverständlich kein Muss, das du dich bzgl. des Musikgeschmacks oder Interesses an Musik, strikt auf Hardcore Techno zu fokussieren hast. Auch ist es völlig nebensächlich, ob es sich bei anderer gehörter Musik nun um Underground- oder Mainstreammusik handelt. Beim hören zählt schließlich nur die Qualität der Musik. Wer sich auf Hardcore Techno beschränkt, verpasst u.U. jede Menge an guter Musik aus anderen Genres!

13.
Du darfst interessierte Neulinge, die kaum über Musik und Szene Bescheid wissen, nicht blind als Möchtegern-Gabbers abstempeln, denn schließlich hat jeder Gabber einmal klein angefangen. Je nach Situation solltest du sie vielleicht lieber in Sachen Hardcore Techno & Co. aufklären, damit sie mehr darüber lernen können und nicht mit den ganzen Lügengeschichten aufwachsen. Außerdem darfst du Gabbers, die andere Musikrichtungen als du bevorzugen, nicht als Möchtegern-Gabbers oder etwas schlechteres betrachten.

14.
Gabber ist eine Lebenseinstellung, die du, wenn du ein echter Gabber bist, tief in dir trägst und dich jahrelang durchs Leben begleitet, vielleicht sogar ein Leben lang. Wenn du diese Lebenseinstellung aufgeben möchtest, dann mache es nur, wenn du dich nur noch kaum oder gar nicht mehr mit einem Gabber identifizieren kannst und/oder dir Hardcore Techno nichts oder kaum noch etwas Wert ist. Die (leider) durch einige Mitläufer und Rassisten verseuchte Szene oder das schlechte Image dürfen für dich niemals Gründe sein, das "Gabber sein" aufzugeben, denn es ist eine rein persönliche Lebenseinstellung!

15.
SEI STOLZ EIN (ELITÄRER) GABBER ZU SEIN, EGAL WAS ANDERE SAGEN UND LASS' DICH NICHT UNTERKRIEGEN!


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